Liebe Genossinnen und Genossen

Liebe Arbeiterinnen und Arbeiter (das sind ja nicht immer die gleichen)

Liebe Freundinnen und Freunde des 1. Mais

Liebe Gäste

Dieses Jahr heisst das Motto des 1. Mais „Gemeinsam kämpfen für eine starke AHV!“. Seit es den 1. Mai in Zürich gibt, hat es aber schon viele verschiedene Mottos dafür gegeben, insgesamt wären 126 gewesen, wenn man jedes Jahr ein neues gemacht hätte. “Die Regierung stürzen”, „Für unsere Rechte, eine gerade Linke“, oder „Diese Suppe ess ich nicht“ sind nur ein Paar von ihnen. Doch man könnte sie zusammen fassen mit „wir wollen etwas verändern“ oder anders gesagt, „uns stört der Status Quo“. In der JUSO hiess es: „Ändern was dich stört!“
Das ist unsere Mission, unsere Aufgabe als Linke, aber auch als Aktive in der Politik und nicht zu Letzt auch als Aktive in der Gesellschaft.

Über das „was“, das wir verändern wollen, sind wir uns wahrscheinlich relativ einig. Leben wir doch in jenem Kanton, welcher die bürgerlichen Kräfte des 19. und anfangs des 20. Jahrhundert und die nationalkonservativen Kräfte der letzten 20 Jahren hervorgebracht hat. Wir wissen, dass Eigenverantwortung Sozialabbau bedeutet, dass Liberalisierung des Arbeitsmarktes Rückgang von Arbeitnehmendenrechte beinhaltet und dass Auslagerungen mit Demokratieverlust einhergehen. Doch viele Leute, ja sogar eine Mehrheit der Menschen in diesem Land wissen das nicht. Oder sie wissen es und nehmen es hin. Es liegt an uns sie zu informieren, ihnen aufzuzeigen, dass Politik immer mit der Gesellschaft und darum auch ganz konkret mit ihrem Leben zusammenhängt. Und das bringt uns weg vom „was“ und hin zum „wie“. Weil, wenn wir als Linke etwas nicht machen dürfen, dann ist es beim Problemaufzeigen stehenzubleiben. Die Probleme zu bewirtschaften, anstatt sie zu lösen, das ist die Politik einer anderen Partei. Jahrelang schnellere Asylverfahren fordern und dann das Referendum dagegen zu ergreifen, wie sie es jetzt gerade am machen sind.
Nein, wir waren schon immer eine Bewegung, die nicht nur gebremst, sondern auch geschaffen hat. Die nicht nur verwaltet, sondern eben auch geschaltet hat.

Doch damit wir etwas erreichen können, müssen wir dranbleiben. Es reicht nicht mit einem Schild auf die Strasse zu stehen und zu fordern „macht aus dem Staat Gurkensalat“, oder einmal pro Jahr an den 1. Mai Umzug zu gehen.

Mir müssen unsere Ideen, unsere Moral und unser Ideale konsequent vertretet und konstant in die Gesellschaft auf allen Stufen hineintragen. In den Gewerbeverein, in den Jassabend, ins Fitnessstudio und natürlich in unsere Parlamente und Regierungen.

Politischer Wandel ist eben leider kein 100 Meter Sprint, sondern ein Marathon. Kein 3D-Drucken, sondern Steinmeisseln. Es braucht Zeit und grosses Engagement. Man muss Kompromisse eingehen. Schritt für Schritt in die richtige Richtung marschieren.

Nur so konnten wir eine AHV, ein Obligatorium für eine Krankenversicherung, oder eine Mutterschaftsversicherung realisieren, oder eine Durchsetzungsinitiative verhindern. Und so werden wir auch das Referendum gegen die Asylgesetzrevision versenken! So werden wir den Wandel von der Abschottungsschweiz zu einer offenen und integrativen Schweiz vorantreiben! Und so werden wir uns auch gemeinsam eine starke AHV erkämpfen.

Also machen wir nicht die Faust im Sack, sondern aktivieren und engagieren wir uns. Nicht nur am 1., sondern auch am 2. Mai und an allen anderen Tage des Jahres, für eine gerechtere, grünere und sozialere Schweiz, eine Schweiz für alle, statt für wenige!

 

1. Mai Ansprache an der Feier der Grünen und der SP Bezirk Meilen in Stäfa